Vorsorge | Über Inkontinenz

Inkontinenzpflege Zuhause: Der Ratgeber für pflegende Angehörige

Harninkontinenz (im Volksmund auch Blasenschwäche genannt) ist bei älteren und pflegebedürftigen Menschen ein häufiges Symptom verschiedenster Ursachen. Mit guter Vorbereitung und den richtigen Maßnahmen lässt sich der Umgang damit jedoch deutlich erleichtern.

Sohn fährt seinen Vater im Rollstuhl spazieren

Sohn fährt seinen zu pflegenden Vater im Rollstuhl spazieren (Bildquelle: PAUL HARTMANN)

Inkontinenzpflege Zuhause: Der Ratgeber für pflegende Angehörige

 

Mehr als 60 Prozent der zu Pflegenden in Deutschland, die von Pflegekräften oder Angehörigen betreut werden, sind inkontinent – das sind etwa 400.000 Menschen1. Bei Personen, die von Demenz betroffen sind, ist die Zahl sogar noch höher2.

Inkontinenz tritt als Folge verschiedener Grunderkrankungen auf. Somit ist sie kein eigenständiges Krankheitsbild, sondern ein Symptom für eine zugrundeliegende Erkrankung des Harnsystems.

Verschiedenste ärztliche Fachverbände und die Branche, die in diesem Bereich tätig ist, leisten intensive Aufklärungsarbeit über das Tabu-Thema Inkontinenz. Der unkontrollierte Verlust von Urin wird von vielen betroffenen Personen als entwürdigend empfunden und verletzt das Selbstwertgefühl, deswegen wird Inkontinenz aus Schamgefühl oft verschwiegen. Pflegefachkräfte und pflegende Angehörige kennen die verschiedenen Taktiken, mit denen Inkontinenz verheimlicht werden soll. Die Folge kann ein sozialer Rückzug sein.

Um Ihnen bei der Vorbereitung zur häuslichen Pflege von inkontinenten Angehörigen unter die Arme zu greifen, und Ihnen den Umgang mit diesem Thema zu erleichtern, finden Sie hier einen Ratgeber für die ersten Schritte.

Das Gespräch mit dem/der zu pflegenden Angehörigen suchen

 

Kein einfacher Schritt, jedoch sollten Sie das Gespräch suchen, um wichtige Fragen zu klären. Holen Sie sich die Meinung des pflegebedürftigen Familienmitglieds ein.

 

Wie über Inkontinenz sprechen?

Hier finden Sie weitere Tipps, wie Sie das Thema Inkontinenz ansprechen können.

Dabei sollten Sie beachten, dass jeder/jede Betroffene/r das Recht hat, selbst zu bestimmten, wie beispielsweise die Pflege des Intimbereichs erfolgt oder welche Inkontinenzprodukte und -hilfsmittel verwendet werden sollen. Fragen Sie, wie Sie helfen können, die Lebensqualität und den Komfort im Alltag zu verbessern. Wie schwer ist die Inkontinenz? Wann tritt der unkontrollierte Verlust von Urin oder Stuhl auf? Passiert der Urinverlust ausschließlich nachts oder auch tagsüber? Alles Fragen, die die Grundlage bilden für den nächsten Schritt:

Termin vereinbaren mit Fachärzten/innen

 

Holen Sie sich professionellen Rat bei Ihrem Hausarzt oder Ihrer Hausärztin, Urologen/in oder Gynäkologen/in. Diese Fachärzte/innen haben Erfahrung mit dem Thema Inkontinenz und können Ihnen mit Ihren ersten Fragen weiterhelfen. Halten Sie eine Liste mit Fragen bereit. Hier finden Sie einige Beispiele, die Ihnen weiterhelfen können:

Was ist die Ursache der Inkontinenz?

Welche Form der Inkontinenz liegt vor?

Welche vorbeugenden Maßnahmen gibt es?

Welche Therapie- und Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Fachberatung einer Ärztin

Inkontinenzprodukte: Wissen aneignen

 

Nach dem Gespräch mit Ihrem pflegebedürftigen Familienmitglied und der Beratung in einer Arztpraxis, können Sie für die Inkontinenzpflege aus verschiedenen Produkten und Hilfsmitteln wählen, egal ob die betroffene Person mobil ist oder bettlägerig, an leichter Blasenschwäche oder schwere Harninkontinenz und/oder Stuhlinkontinenz leidet. Inkontinenzprodukte gibt es für jede Form und jeden Schweregrad.



Tipp: Unser Produktfinder hilft Ihnen dabei, das passende Inkontinenzprodukt für Ihren pflegebedürftigen Liebsten zu finden.





Hautpflege beachten

 

Die erwachsene, vor allem aber ältere Haut, ist schneller irritiert als die von Kindern. In Kombination mit Urin, Hitze, und Immobilität (Bettlägerigkeit) kann es beim Tragen von Inkontinenzprodukten zu einem sogenannten Windelausschlag kommen (in Fachkreisen Inkontinenz-assoziierte Dermatitis genannt). Diese macht sich durch Entzündung der Haut im Genitalbereich und am Gesäß bemerkbar. Reinigung und schonende Pflege der von Inkontinenz betroffenen Stellen sind ein wichtiger Teil der Hygiene. Die geeignetsten Produkte sind die, die die natürlichen Funktionen und die Gesundheit der beanspruchten Haut unterstützen.

Passende Produkte zur Hautpflege bei Inkontinenz haben wir Ihnen in diesem Artikel zusammengestellt.

Hautpflegeprodukte kaufen

Hautpflege bei Inkontinenz

Einen aktiven und gesunden Alltag fördern

 

Achten Sie auf eine aktive Lebensführung und gesunde Ernährung Ihres/Ihrer Angehörigen.

Die Ernährung ist besonders wichtig. Für die Gesundheit im Allgemeinen, aber im Besonderen auch bei Inkontinenz. Denn ein gesunder Speiseplan, und ausreichende Flüssigkeitsaufnahme können dabei helfen Inkontinenz zu lindern.


Viele inkontinente Menschen trinken bewusst wenig, um den Harndrang zu reduzieren. Dies hat oftmals eine entgegengesetzte Wirkung, da der stärker konzentrierte Harn die Blase zusätzlich reizt.


Hier finden Sie Informationen zu harntreibenden Lebensmitteln und Nahrungsmittel, die eine Inkontinenz lindern können.


Hinzukommt: Überwicht gehört zu den Risikofaktoren für Blasenschwäche. Bemühen Sie sich, einen aktiven Alltag für Ihren Familienangehörigen zu planen. Spaziergänge, oder einfach Gymnastik im Sitzen können dabei helfen, dass Ihr Angehöriger aktiv bleibt, und den Kreislauf in Schwung hält.


Achten Sie besonders darauf die Eigenständigkeit der Betroffenen soweit es geht zu bewahren. Sie können als pflegendes Familienmitglied dabei helfen, indem Sie dazu anregen Dinge eigenständig auszuführen.


Bei all den Herausforderungen sollten Sie auf Ihr eigenes Wohlbefinden achten. Insbesondere bei einer intensiven Pflegebedürftigkeit der betroffenen Person sollten Sie sich Unterstützung von anderen Angehörigen, oder professionellen Pflegefachkräften suchen, um sich Tage freinehmen zu können. Vor allem beim Thema Intimpflege kann ein ambulanter Pflegedienst, dem zu pflegenden und der betreuenden Person dabei helfen das Selbstwertgefühl zu wahren, und intime Grenzen zu nicht zu überschreiten.



Quellen:


1Suhr, R. & Lahmann, N.A. (2018).Urinary incontinence in home care: a representative multicenter study on prevalence, severity, impact on quality of life, and risk factors. Aging Clinical and Experimental Research, 30(6), 589–594.

https://www.zqp.de/inkontinenz-haeufiges-problem/


2Yap, Philip and Tan, David, Urinary incontinence in dementia, A practical approach; 2006, p 237-238

https://www.racgp.org.au/afpbackissues/2006/200604/200604yap.pdf