Behandlung | Über Inkontinenz

Harninkontinenz kann behandelt werden

Harninkontinenz beeinträchtigt die Lebensqualität, kann medizinische Komplikationen verursachen und schafft psychosoziale Probleme. Viel öfter als allgemein angenommen kann aber auch erfolgreich behandelt werden, wenn man die Ursachen kennt. Eine Diagnose lohnt deshalb immer.

Seniorin in Gespräch mit Ärztin

Seniorin in Gespräch mit Ärztin

Harninkontinenz-Therapie: Untersuchungen, Diagnostik & Behandlung

Es ist schwer zu erklären, warum Harninkontinenz für einen Großteil der Betroffenen ein „unbehandeltes Schicksal“ bleibt. Es mag daran liegen, das unfreiwilliger Harnverlust immer noch ein Tabuthema ist und vor allem im Alter quasi als Verschleißerscheinung gesehen wird. Aber Harninkontinenz kommt nicht einfach so, und es gibt keinen inkontinenten Menschen, bei dem die Frage nach dem „Warum“ zwecklos wäre. Denn ist die Ursache geklärt, kann dem Betroffenen viel öfter als allgemein angenommen bereits mit einfachen konservativen Behandlungsmethoden geholfen werden.
Ärztin im Gespräch mit Patientin
Ein Beispiel hierzu ist die Dranginkontinenz-Therapie. Experten gehen davon aus, dass durch die heute zur Verfügung stehenden Medikamente etwa bei einem Viertel der Betroffenen der unfreiwillige Harnabgang völlig beseitigt wird. Bei weiteren 50 % ist mit einer wesentlichen Besserung zu rechnen (Madersbacher, Medizinische Gesellschaft für Inkontinenzhilfe Österreich). Und auch die pflegerischen Maßnahmen wie etwa ein Toiletten- oder Blasentraining können viel wirksamer sein, wenn klar ist, was die Harninkontinenz ausgelöst hat.

Ganz sicher braucht sich niemand vor den Maßnahmen zu fürchten, die zur Diagnostik der Harninkontinenz erforderlich sind. Sie sind nicht schmerzhaft und auch nicht „peinlich“. Oft ergibt schon eine wenig belastende, sogenannte Basisdiagnostik ein gutes Bild von den Ursachen. Sie kann deshalb auch älteren und sogar hochbetagten Menschen zugemutet werden. 

Hinweis: Wenn Sie entdecken, dass der Ihnen anvertraute Angehörige unter Harninkontinenz leidet, überreden Sie ihn zum Arztbesuch. Dies kann dem Betroffenen viel Leid und Ihnen viel Belastung ersparen.

Was alles bei Harninkontinenz untersucht wird

Das diagnostische Vorgehen ist stufenweise aufgebaut: Zuerst ist der vertraute Hausarzt gefragt. Er erstellt die Basisdiagnostik, die als Grundlage für Therapie, eventuelle Maßnahmen zur Kontinenz-Förderung und Pflege vielfach ausreichend ist. Dazu zählen die Anamnese (Befragung durch den Arzt), das Erstellen eines Miktionsprotokolls (darunter versteht man das Beobachten, wie oft Urin unfreiwillig abgeht), die Urinuntersuchung, eine Ultraschalluntersuchung und schließlich die körperliche Untersuchung.

Ein Verdacht auf Komplikationen muss durch eine Spezialdiagnostik abgeklärt werden. Erforderlich dazu sind meist spezielle Röntgenuntersuchungen, mit denen Harnblase, Harnleiter und Nieren bildlich sichtbar gemacht werden. Komplikationen können sich durch Entzündungen der unteren Harnwege, Blasensteine, Tumore oder Blockierungen der Harnröhre ergeben.
Schaubild eines Miktionprotokolls

Harninkontinenz richtig behandeln

Die Diagnose Inkontinenz ist keineswegs endgültig: Harninkontinenz ist in vielen Fällen behandelbar oder kann zumindest soweit rehabilitiert werden, dass sowohl der Betroffene als auch der Pflegende möglichst wenig Belastungen ausgesetzt sind. Allerdings gibt es nicht die Therapie schlechthin – vielmehr müssen je nach Form und Schweregrad der Harninkontinenz individuelle Behandlungskonzepte ausgearbeitet werden.

​Bei der Harninkontinenz-Behandlung im Alter dominieren konservative Therapiekonzepte wie Beckenbodengymnastik, eventuell in Kombination mit Elektrostimulation und Biofeedback, Trainingsmethoden zur Verbesserung des Miktionsverhaltens sowie Medikamente. Zunehmend werden aber auch operative Möglichkeiten genutzt. Allerdings raten Experten erst zu einer Operation, wenn die konservative Behandlung keine Erfolge zeigt.

Weitere Tipps zur Kontinenz-Förderung

  • Regulierung / Kontrolle der Flüssigkeitsaufnahme: Eine zu geringe Flüssigkeitsaufnahme führt zu konzentriertem Harn, der die Schleimhaut der Harnblase reizt und so die Drangsymptomatik verstärkt.
  • Regulierung der Darmausscheidung: Eine chronische Verstopfung (Obstipation) kann durch Druckerhöhung im Bauchraum eine Harninkontinenz verstärken. Sie kann aber auch durch die Bildung sog. Kotsteine zum Auslöser für eine Stuhlinkontinenz (Stuhlschmieren) werden. Die chronische Verstopfung ist eines der häufigsten Probleme alter Menschen. Bei der Entstehung spielen vor allem unzureichende Trinkmengen und Bewegungsmangel eine bedeutende Rolle. Des Weiteren kann eine Reihe von Medikamenten die bereits altersbedingte Darmbeweglichkeit weiter herabsetzen. 
  • Förderung der Mobilität: Alterstypische körperliche Behinderungen, zum Beispiel durch rheumatische Erkrankungen, können insofern zur Harninkontinenz beitragen, weil die Toilette nicht mehr rechtzeitig erreicht und / oder die Kleidung nicht schnell genug geöffnet werden kann.
  • Schaffung eines kontinenzfördernden Umfeldes: Eine eindeutige Kennzeichnung des Weges zur Toilette, nachts eine gute Ausleuchtung sowie das Wegräumen eventueller Hindernisse und Stolperfallen, Handgriffe als Hinsetz- und Aufstehhilfe, eine angepasste Erhöhung des Toilettensitzes sind nur einige Beispiele für einfach durchzuführende, aber sehr hilfreiche Maßnahmen.
  • Reduzierung starken Übergewichtes: Dies dürfte am schwierigsten umzusetzen sein. Durch Übergewicht erhöht sich jedoch der Druck im Bauchraum, sodass der Beckenboden zusätzlich belastet wird.
Seniorin trinkt ein Glas Wasser