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Welche Lebensmittel wirken harntreibend und welche sind blasenschonend?

Bestimmte Nahrungsmittel wirken entwässernd und können den Harndrang verstärken. Allerdings gibt es auch Lebensmittel, die die Blase schonen. Hier erfahren Sie welche.

Frau trinkt Wasser

Diese Frau weiß um die blasenschonende Funktion von richtigem Trinken (Bildquelle: PAUL HARTMANN)

Wieso verstärken manche Lebensmittel den Harndrang?

Harntreibende Lebensmittel, auch Diuretika genannt, hemmen in der Regel das Hormon ADH (Antidiuretisches Hormon oder Adiuretin) in unserem Gehirn. Dieses Hormon steuert die Urinproduktion in den Nieren. Es sorgt außerdem dafür, dass Wasser im noch nicht ausgeschiedenen Harn wieder in den Organismus aufgenommen werden kann. Ist die ADH-Ausschüttung unterdrückt, sammelt sich daher viel mehr Flüssigkeit in der Blase.1

Häufiges Wasserlassen ist die Folge – übrigens auch bei Menschen, die nicht unter Inkontinenz leiden. Liegt zusätzlich eine Blasenschwäche vor, ist die Wirkung aber natürlich deutlich unangenehmer.

Diese Lebensmittel wirken harntreibend

  • Alkohol
  • Zucker und Süßstoffe
  • Säurehaltiges Obst wie Zitrusfrüchte (Zitronen, Orangen, Grapefruit oder auch Ananas)
  • Scharfe Gewürze wie Chili, manche Currys, Pfeffer, Ingwer oder Wasabi
  • Harntreibende Gemüsesorten wie Wirsing, Fenchel, Rotkohl, Tomaten, Sellerie, Pastinaken oder Rettich
  • Lebensmittel, die reich an Kalium sind wie Spargel, Bananen oder Kartoffeln
  • Wassermelonen und Gurken
  • Essig
  • Getränke mit Kohlensäure
  • Koffeinhaltige Getränke wie schwarzer Tee, grüner Tee oder Kaffee
  • Kohlsorten, da sie häufig blähend wirken

Alkohol und säurehaltige Lebensmittel – dazu zählen übrigens auch viele Fruchtsäfte – stehen im Verdacht, besonders harntreibend zu wirken. Apfelsaft zum Beispiel empfinden viele Betroffene als echte Belastung für die Blase. Das liegt zum einen an der Säure, aber zum anderen auch am hohen Zuckergehalt. Ist Apfelsaft in Form einer Apfelschorle mit kohlensäurehaltigem Wasser gestreckt, kann auch diese Säure die Blase zusätzlich reizen. Das beliebte Getränk gehört damit leider zu den Lebensmitteln, die Sie eher meiden sollten.

Müssen Sie Ihre Ernährung jetzt komplett umstellen?

In der Regel ist das nicht notwendig, denn eine ausgewogene und vor allem vielseitige Ernährung ist der Grundstock für Ihre Gesundheit. Daher sollten Sie vor allem die genannten vitaminreichen Obst- und Gemüsesorten nicht einfach ohne weiteres von Ihrem Speiseplan streichen.

Unser Tipp: Hören Sie auf Ihren Körper. Wenn Sie sich nicht sicher sind, welche Lebensmittel bei Ihnen den Harndrang verstärken, dann führen Sie über den Zeitraum von etwa zwei bis drei Wochen ein Tagebuch und notieren Sie im Detail, was Sie zu sich genommen haben. Machen Sie sich außerdem Notizen dazu, wie Sie sich nach dem Verzehr gefühlt haben und ob Sie verstärkten Harndrang bemerkt haben. So lernen Sie Ihren Körper und besonders Ihre Blase mit der Zeit besser kennen.

Der Vorteil ist, dass Sie nun ganz gezielt nur die Lebensmittel meiden können, die auf Sie persönlich harntreibend wirken. Die Einschränkungen sind dabei deutlich geringer, als wenn Sie die gesamte Liste streichen.

Aber: Das gilt vor allem für Obst und Gemüse. Alkohol, Koffein und auch Kohlensäure wirken auf die meisten Menschen harntreibend und sollten daher bei Inkontinenz grundsätzlich gemieden werden. Auch entwässernder Tee, das umfasst vor allem Früchtetees, schwarze oder grüne Sorten, ist nicht empfehlenswert. Prüfen Sie bei verarbeiteten Lebensmitteln aufmerksam stets die Inhaltsstoffe.Wenn Sie nicht komplett auf diese Nahrungsmittel verzichten wollen, bietet sich an, zumindest vor dem Schlafengehen den Konsum auf 2/3 der Trinkmenge zu reduzieren. So können Sie den besonders störenden nächtlichen Harndrang, auch Nykturie genannt, verringern.

Blasenschonende Nahrungsmittel

  • Kürbis enthält viel antioxidatives Beta-Carotin, Vitamin E und Spurenelemente. Bestandteile, die bei Inkontinenz und Erkrankungen der Prostata lindernd wirken können. Das Gemüse macht sich großartig in einer kräftigenden Suppe, in Nudelgerichten oder als Ofengemüse. Auch Kürbiskerne und Kürbiskernöl können wohltuend sein.
  • Würzen Sie Speisen großzügig mit frischen oder getrockneten Kräutern statt scharfer Gewürzmischungen. Viele Kräuter eignen sich zudem als Teeaufguss. Trocknen Sie frische Kräuter nach dem Sommer, dann können Sie im Winter darauf zurückgreifen.
  • Preiselbeersaft kann die Beschwerden einer Blasenentzündung lindern. Die in Johannisbeeren und Cranberrys enthaltenen Proanthocyanidine können die Blasenwand glätten und entzündungshemmend wirken. Himbeeren, Heidelbeeren und Brombeeren stärken außerdem die Nieren und können dabei helfen, dass die Blase gesund bleibt.2

Was den Darm schont, tut auch der Blase gut

Bestimmte Lebensmittel, die blähend oder verstopfend wirken, belasten auch die Blase. Das liegt daran, dass Verstopfungen mit stärkerem Pressen beim Stuhlgang verbunden sind, was wiederum die Muskulatur im Beckenboden strapaziert. Das schwächt diese wichtige Muskelgruppe auf Dauer, wodurch sie einen Teil ihrer Verschlusskraft für die Blase einbüßen kann.

Achten Sie daher auf eine ballaststoffreiche Ernährung und meiden Sie Lebensmittel, die Sie nicht gut vertragen.3

Trinken Sie genug!

Je weniger Flüssigkeit Sie über Getränke und Essen aufnehmen, umso stärker ist der Urin konzentriert. Das reizt die Blase. Bewusst weniger zu trinken, um Harndrang zu verringern kann also genau das Gegenteil bewirken. Greifen Sie zu stillem Mineralwasser oder sanften Tees wie zum Beispiel Rooibos. Auch verdünnter Preiselbeersaft ist für seine positive Wirkung auf die Blase bekannt.4

Erwachsene sollten etwa 30 Milliliter Flüssigkeit pro Kilogramm Körpergewicht täglich zu sich nehmen. Bei einer Frau, die 70 Kilogramm wiegt, sind also rund 2 Liter Wasser ein guter Richtwert. Eine Versorgung mit ausreichend Flüssigkeit ist dabei nicht nur für die Blase enorm wichtig, sondern für so ziemlich alle Funktionen im menschlichen Körper.

Bei Herz- und Nierenerkrankungen sprechen Sie bitte mit Ihrem behandelnden Arzt oder Ihrer Ärztin über eine mögliche Trinkmengenbeschränkung.

Übergewicht als Risikofaktor

Einfach erklärt: Mehr Fett im Bauchraum sorgt für mehr Druck auf die Blase und auf den Beckenboden. Verlieren Sie daher einige überflüssige Kilos durch eine sanfte Diät, kann das auch die Symptome Ihrer Blasenschwäche lindern. Ihre Hausärztin oder Ihr Hausarzt berät Sie gerne zur richtigen Ernährung. Weitere Informationen zum Zusammenhang von Übergewicht und Inkontinenz finden Sie hier.

Rezeptidee: Blasenschonende Kürbissuppe

Zutaten:

  • 400 g Kürbis
  • 200 g Möhren
  • 1 Stange Lauch
  • 1 Zehe Knoblauch
  • 3 Äpfel
  • 2 EL Butter
  • 800 ml Gemüsebrühe
  • 3 Stängel Petersilie
  • 1 Handvoll Kürbiskerne
  • 150 g Schlagsahne
  • Salz
  • Pfeffer
  • Muskatnuss

Zubereitungsschritte:

  1. Kürbis halbieren, von Kernen befreien (viele Kürbissorten z. B. Hokkaido können mit Schale gegessen werden). Möhren schälen, Lauch waschen, Knoblauch häuten und alles in grobe Stücke schneiden.

  2. Zwei Äpfel schälen, vierteln, entkernen und würfeln.

  3. Lauch und Knoblauch in Butter bei mittlerer Hitze für 2 Minuten dünsten. Kürbis, Möhren und Apfelwürfel zugeben, 1–2 Minuten mitdünsten, dann die Brühe angießen. Alles aufkochen und bei mittlerer Hitze ca. 25 Minuten köcheln lassen.

  4. Übrigen Apfel vierteln, schälen, entkernen und raspeln. Petersilie waschen, trocken schütteln und Blättchen abzupfen. Kürbiskerne ohne Öl kurz anrösten. Alles zur Seite stellen.

  5. Suppe mit einem Mixer fein pürieren, 100 g Sahne einrühren und bei Bedarf noch etwas Brühe zugeben. Nochmals aufkochen und mit Salz, Pfeffer und einer Prise Muskat abschmecken.

  6. Restliche Sahne nicht ganz steif, aber cremig schlagen. Suppe in Schälchen füllen, mit 1 EL Sahne, einigen Apfelraspeln, Kürbiskernen und Petersilienblättchen garnieren und heiß servieren.

Quellen:

1https://www.kontinenz-gesellschaft.de/fileadmin/user_content/startseite/presse/pressemitteilungen/Archiv

2https://www.gesundheitstrends.com/a/ernahrung/8-lebensmittel-die-bei-blasenproblemen-helfen-5731

3https://www.for-me-online.de/gesundheit-und-wellness/frauen-und-gesundheit/ernaehrung-bei-inkontinenz

4https://www.gesundheitsgmbh.de/news/richtig-essen-und-trinken-bei-harninkontinenz/